Jean-Pierre Crittin Ayurvedische Psychologie und Charaktertherapie

Ist "immer schneller", "immer mehr" auch immer besser?


Letztlich geht es bei Menschen und Unternehmen um Effizienz, um die Zielerreichung mit

möglichst wenig Aufwand oder darum, bei gleichem Aufwand  bessere Ergebnisse zu erzielen.


Die Fehlerforschung zeigt, zwar mit unterschiedlichen Zahlen aber eindeutig auf, dass es menschlich ist, Fehler zu machen. Eine der eindrücklichen Zahlen sagt, dass im Durchschnitt auf 1'000 Handlungen von Menschen ein Fehler passiert. Wenn wir davon aus gehen, dass ein Mensch pro Arbeitstag 5'000 Handlungen ausführt und in einem mittelgrossen Unternehmen 100 Mitarbeiter arbeiten, rechnen wir aus, dass in so einem Unternehmen täglich 500 Fehler passieren. Wir hoffen einfach immer, dass es sich dabei um Fehler handelt, die keine grossen Folgen nach sich ziehen.


Es ist offensichtlich, dass Müdigkeit und Hektik die Fehlerhäufigkeit ansteigen lässt. Dies sieht man sehr schön beim Sport: Das erste, was mit Hektik und zunehmender Müdigkeit nachlässt, ist die Konzentration. Mit zunehmender Müdigkeit machen Sportlerinnen und Sportler mehr Fehler.


Immer mehr und immer schneller, wie das heute in der Wirtschaft immer wieder gefordert wird, führt aber dazu, dass Hektik aufkommt, dass Müdigkeit und damit verbunden Konzentrationsmängel entstehen. Logischerweise steigt dadurch die Fehlerhäufigkeit an.


Wenn wir Unfälle als "Fehler", nämlich als ungewolltes Ergebnis (unwanted outcome), auffassen, sehen wir sehr schnell, dass "immer schneller", "immer mehr" die Effizienz in Frage stellen, denn Unfälle kosten das Unternehmen, nebst all dem persönlichen - nicht messbaren - Leid, sehr viel Zeit und Geld (Arbeitsausfall, Heilungskosten...). Betriebsunfall-Statistiken (z.B. von der Schweizerischen Berufsunfallversicherung, SUVA) zeigen, dass die Häufigkeit von Betriebsunfällen, trotz gross angelegten Präventionskampagnen, in der Schweiz stetig ansteigt.


Es würde sich u.E. lohnen, das "immer schneller", "immer mehr" zu hinterfragen.

Es würde sich u.E. lohnen, sich zu fragen, was in diesem Zusammenhang gesund ist.

Es würde sich u.E. lohnen, Achtsamkeit zu schulen.


Einige Beispiele aus der Praxis

  • In vielen Organisationen, wo es um Leben und Tod geht (Krankenhaus, Feuerwehr, Polizei) hat man "ten for ten" geschult und damit gute Erfahrungen gemacht. "Ten for ten" heisst: Bevor wir in lebensbedrohenden Situationen übereilt handeln, lohnt es sich, uns 10 Sekunden Zeit zu nehmen, um die Handlungen der nächsten 10 Minuten durchzudenken.


  • In einer Papierfabrik hat man festgestellt, dass die Produktion viel effizienter wird, wenn die Maschinen um 10% langsamer fahren als ursprünglich. So konnten die lästigen, zeitverzögernden Papierabrisse und die damit verbundenen Maschinenstopps, hektische Korrekturarbeiten und das heikle Wiederanfahrensprozedere massiv reduziert werden.


  • Ein Software-Entwicklungs-Unternehmen hat erkannt, dass schon eine kurze Achtsamkeitsschulung, verbunden mit einem Kommunikationstraining eine signifikante Effizienzsteigerung brachte.


Dass  "immer schneller", "immer mehr", nebst den oben beschriebenen Folgen auch noch das Aufkommen von Krankheiten, wie z.B. Burnout, Belastungsdepressionen, Ängste, Infektionskrankheiten..., begünstigt, lassen wir an dieser Stelle vorerst einmal unerwähnt.


______________________________________________________________________________


Stress und Leistung

Tatsächlich, um eine Leistung zu erbringen braucht es innere Motivation (Leistungsbereitschaft) und/oder eine Herausforderung. Diese können wir auch als Stress bezeichnen. Stress ist an sich nichts Böses:

  • Stress mobilisiert Energie
  • Energie ist das Vermögen eines Körpers Arbeit zu verrichten (Physik)
  • Sinnvoll geleistete Arbeit, im Sinne von Bewegung, also Bewältigung, baut Stress ab
  • Sinn- oder erfolglose Arbeit, z.B. beim Produzieren von Wärme oder Anspannung, führt zu Folgeschäden

 

Nun können wir aber nicht sagen: Je mehr Stress, desto besser die Leistung!

Es stimmt zwar, dass Stress unsere Leistungsfähigkeit herauf setzt - jedoch nicht unbegrenzt.

Die untenstehende Grafik (Schulungsfolie von Jean-Pierre Crittin) verdeutlicht das.

 
 

Kein Stress

keine Leistung

Wenig Stress

Leistung wird angekurbelt

Mehr Stress

Leistung steigt an

Viel Stress

Leistungskurve flacht ab

Zu viel Stress

Leistung bricht (unter Umständen plötzlich) zusammen

Je grösser die Reserve, desto mehr Stress erträgt der Mensch, bevor der Leistungsabbruch kommt. Wenn wir von Reserve sprechen, meinen wir die Fachkompetenz, die Kompetenz mit schwierigen Situationen umgehen zu können, die Erfahrung, vor allem aber die feinstofflichen Energiereserven.
 
Regelmässige Meditation ist eines der wirksamsten Mittel, um feinstoffliche Energiereserven aufzubauen!